Home » Musik

Text: Nadine and Maik
[ 14. Dezember 2009 | Keine Kommentare ]

Das Vorverkaufskontingent war schon zwei Monate vorher erschöpft, Tickets wurden zum vierfachen Preis verkauft, die Berlin Calling paulkalkbrennerWelle schien voll eingeschlagen zu haben. In Internet Foren wurde fleißig über Trendlutscher gelästert, Szenekenner mokierten sich über Mitläufer, denen man unterstellte in Sachen Musikgeschmack nur dem Trend zu folgen.

Die alte Mainstream- Underground Debatte eben. Man tut sich halt schwer anzuerkennen, dass die Musik, die immer so perfekt zum eigenen, individualisierten  Leben gepasst hat jetzt auf einmal auch einer breiten Masse gefallen soll.

Der Abend bedeutete viel und versprach einiges, was zu einem enormen Andrang an der Abendkasse führte. 50 Karten waren noch zu vergeben, die beinahe aussichtslose 2 stündige Wartezeit im dichten Gedränge schien mit jeder Minute mehr Gereiztheit und Drängelbereitschaft  zu provozieren. Survival oft the fittest- Da sich die 3 Bitcrushler jedoch nicht so wirklich durch das Selektionsmerkmal Aggressivität auszeichnen, standen die Chancen eher schlecht. Wie sie sich dennoch kostenlosen  Zutritt verschafften wird der Öffentlichkeit wohl ein Rätsel bleiben müssen…

Das DJ Vorprogramm war in Ordnung, die Leute nach 0 Uhr schon ordentlich am dancen. Glücklicherweise waren nicht allzu viele Berlin Calling Klischees vertreten, aber ohne ein paar Fußballtrikots, speziellen Tanzstil und Pillenshowoff („Alter, wo hast du denn deine Pillen her? Die brauch ich auch“) gings wohl nicht.

Kalkbrenner erschien kurz nach 1 Uhr auf der Bühne und wurde frenetisch gefeiert, was jedoch schnell in ein allgemeines Pfeifkonzert umschlug, als die Technik streikte. Dieses Beispiel bringt die Stimmung auf den Punkt, die während des ganzen Abends herrschte: Hedonistische Freuden bitte, aber wehe es kommt irgendwer oder irgendwas dazwischen, dann wird geschubst und beschwert, egal ob sinnvoll oder nicht. Die Technikprobleme wurden jedenfalls schnell behoben, der Dienstleister Paul Kalkbrenner konnte seinen Bass reinhauen und die Partycrowd zum Tanzen bringen. Die Euphorie war danach umso größer, könnte also auch alles Berechnung gewesen sein, wäre aber in diesem Fall legitim und zu verzeihen. Zur Playlist: Sky and Sand wurde schon ab der ersten Minute immer mal wieder zum Anheizen angespielt. Dennoch beglückte nicht nur das Berlin Calling Set die Menge, wie von vielen im Voraus befürchtet, obwohl jene Songs am meisten gefeiert wurden. Aaron gegen Ende für alle, die lächelnd und sich lieb habend nach Hause wollten, Boom Boom Versionen von Praise You und Mad World als Zugabe. Kalkbrenners Bass rein-Bass raus Prinzip erfüllte seine Bestimmung und brachte die Leute zur Extase.

Musik war wie erwartet absolut tanzbar und geil, hätte in gemütlicher Clubatmosphäre anstatt großer Halle dennoch sicher noch besser gewirkt. Zum Augen schließen oder umdrehen zwangen einen 3 Fotografen, 2 Kameramänner und mindestens 10 Showoffs, die ständig auf der Bühne und hinter Kalkbrenner rumtanzen und ihr Bier trinken mussten.

Fazit: Berlin Calling Hype spürbar, dadurch aber nette Szenenvermischung, geile Musik, eher Konzertatmosphäre, ein paar nervige Leute, trotzdem geiler Abend!

Foto von .Page.

Hier noch ein 3-minütiges, total verwirrt geschnittenes (Absicht!) Digicam-Video mit super Bass:

Paul Kalkbrenner in Heidelberg from peter shaw on Vimeo.

Wir wollen deine Meinung!

Du willst immer auf dem neusten Stand bleiben? Abonniere den Comment Feed (RSS)

Du kannst folgende Tags benutzen:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Melde dich bei Gravatar an um dein eigenes Benutzericon zu bekommen!